México

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Comalcalco und Palenque

Zu Besuch bei den westlichsten Mayas

06. September 2015

Liliana muss, je nach Projekt, mehr oder weniger häufig reisen für ihre Arbeit, meistens nach Villahermosa. Villahermosa ist für Mexiko was Aberdeen für Grossbritannien und Houston für die USA sind, die “Ölhauptstadt”. Die letzte Märzwoche im 2015 war so eine Woche, und ich folgte ihr am Donnerstag, worauf wir dann Freitag bis Sonntag ein verlängertes Wochenende in den Bundesstaaten Tabasco und Chiapas genossen.

Karte mit Mexiko-Stadt, Comalcalco und Palenque Karte mit den Bundesstaaten Tabasco (cyan umrandet) und Chiapas (rot umrandet). Markiert sind zudem Mexiko-Stadt und die Maya-Ruinenstädte Comalcalco in Tabasco und Palenque in Chiapas. (Villahermosa ist auf dieser Karte auch unter dem Kreis von Comalcalco.)

Zwischen unserer Reise nach Barrancas del Cobre in den Steppen und Bergen des Nordens und unserem verlängerten Wochenende hier in den Tropen Mexikos lag nur eine gute Woche, und der Kontrast war riesig. Villahermosa ist, wie es Liliana ausdrückt, eine “kleine Stadt”, rund 1.5 mal die Grösse von Zürich. Die Stadt ist etwa 25 km von der Küste entfernt, aber nur 20 Meter über Meer. Die Gegend ist also sehr flach und dadurch sumpfig, dschungelähnlich. Und voll von Mücken. Das Klima ist wie gesagt tropisch, mit über 40 Grad Celsius im Sommer und sehr feucht. So hat Liliana die Stadt auch erlebt, die zigmal, die sie da war für ihre Arbeit in den letzten 8 Jahren, und dementsprechend waren wir ausgerüstet. Sonnenbrillen, Sonnencreme, kurze Hosen, Sandalen. Aber wir erwischten ein unglaublich verregnetes Wochenende, mit Temperaturen so um die 25 Grad. (Was für mich natürlich prima war.)

Am Freitag besuchten wir zuerst eine Schildkrötenzucht, die von einer Genossenschaft unterhalten wird mit dem primären Ziel, dem Aussterben von gewissen Arten vorzubeugen. Ich hatte keine Ahnung, wie viele verschiedene Schildkröten es gibt. Vor allem sind die Panzer ganz verschieden, oben wie auch unten. Unten sind gewisse ganz starr, andere haben eine Art Klappen, wieder andere haben nur einen minimalen Panzer. Zudem hatte ich auch keine Ahnung von den fleischfressenden Schildkröten, die sehr aggressiv sein können. Da willst du den Finger unter keinen Umständen hinhalten.

"Klappenschildkröte" Fleischfressender Riese Fleischfressender Zwerg Finger weg! Eine Auswahl von Schildkröten. Die kleine mit den Klappen kann entweder die Hinterbeine oder den Kopf und die Vorderbeine einziehen, und die entsprechende Klappe schliessen. Für beide reicht der Platz nicht. Die anderen drei sind Fleischfresser. Der Grosse ist ein Riesenviech, und hat auch relative viel Kraft. Der kleine Strampelmann ist unglaublich aggressiv für seine Grösse. Und die Finger hältst du besser fern bei diesen Mäulern!

Wir besuchten dann eine Schokolade-Produktion; während der Führung hatte es gerade so stark geregnet, dass wir gar keine Fotos schossen. Schokolade hat hier Tradition, da können wir Schweizer einpacken - schon die Mayas machten Schokolade, und auch heute kommt es in verschiedenen mexikanischen Gerichten zum Einsatz, nicht nur als pure Schokolade. Was mich immer wieder fasziniert ist, dass die Frucht direkt am Stamm wächst, nicht an Ästen, und natürlich, dass die Schokoladen-Bohnen weiss sind innen, und erst durch das Rösten ihre Schokoladefarbe bekommen.

Papayas Kakao Kakao Papaya (die Kleinen) und Kakaofrüchte. Ich finde es immer faszinierend, Früchte die direkt am Stamm wachsen.

Das, was viele Touristen in diese Region lockt, sind die Maya-Ruinen. Die Maya waren eine Hochkultur, die im heutigen Süden Mexikos (v.a. auf der Yucatán-Halbinsel), Belize, Guatemala, Honduras und El Salvador beheimatet waren. Die Maya hatten ihre Blütezeit ca. 250 bis 950 A.D. Die Ähnlichkeiten mit den Ägyptern ist zum Teil verblüffend, vor allem die Pyramiden mit geheimen Gängen wie auch die Hieroglyphen und Monumente.

Als ich im 2012 in Oslo arbeitete besuchten Liliana und ich das Kon-Tiki Museum in Oslo. Kon-Tiki ist der Name eines Flosses, mit dem ein Norweger 1947 den Pazifik überquerte. Er wollte damit beweisen, oder bewies, dass Völker auch vor Kolumbus und den Wikingern den Pazifik überqueren konnten, und daher die Möglichkeit eines kulturellen Austausches zwischen Urvölkern in Amerika und Afrika möglich war. Interessant, wenn man Urvölker von Amerika wie Mayas, Azteken oder Inkas mit Urvölkern und Kulturen der restlichen Welt vergleicht.

Wir besuchten am Freitag Comalcalco, und am Samstag Palenque. Ersteres ist eine kleinere Maya-Stätte, letzteres eine grosse und dementsprechend mit Touristen überflutet. Das spezielle an Comalcalco ist der Ort und das Baumaterial: Die Tempelanlage ist die westlichste der Mayakultur, und die einzige, die mit gebrannten Ziegelsteinen gebaut wurde, aus Mangel an Kalkstein. Bezüglich den zwei Maya-Ruinenstätten lasse ich mehr die Fotos sprechen, als dass ich viel schreibe (ein separater, ausführlicher Beitrag über die Maya Hochkultur ist geplant).

Comalcalco Skulptur Comalcalco Skulptur Liliana und unser Touristenführer Comalcalco Comalcalco Eindrücke von Comalcalco. Wie man gut sehen kann war es äusserst regnerisch an diesem Tag. Der Typ bei Liliana ist David, unser Chauffeur und Touristenführer für Comalcalco wie auch Palenque.

Palenque Palenque Zwei Panoramabilder von Palenque, die einen Teil der riesigen Anlage Zeigen.

Maya Monument Hieroglyphen und Maya Monument Maya Monument Maya Monument Hieroglyphen Maya Monument Hieroglyphen und Monumente der Mayas in Palenque. Neben den Pyramiden erinnern auch diese sehr an die Ägypter.

Palenque Palenque Palenque Palenque Palenque Palenque Ein paar undokumentierte Eindrücken von Palenque.

Am Sonntag waren wir noch in einem Museum in Villahermosa. Es war teils archäologisches Museum, teils Zoo. Der archäologische Teil besteht aus Figuren der Olmeca Kultur (zu Deutsch Olmeken), die im gleichen Gebiet zu Hause waren, aber etwa um 1400 bis 400 B.C. Alle Figuren sind aus La Venta, einer ehemaligen Stadt der Olmeca, und deren wichtigstes spirituelle Zentrum.

Skulptur der Olmeca Skulptur der Olmeca Skulpturen der Olmeca im Museo La Venta in Villahermosa.