México

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Ensenada, Baja California

Das Weingebiet Mexikos

16. April 2016

Vom 17. bis am 21. März reisten wir in den nordwestlichsten Zipfel von Mexiko, nach Baja California. Ich war vom CICESE eingeladen ein Seminar über meine Doktorarbeit zu halten (mein erstes auf spanisch). Das CICESE ist ein Forschungszentrum in den Bereichen Ozeanologie, Biologie, Erdwissenschaften und Informatik, die Abkürzung steht zu deutsch für Zentrum für Wissenschaftliche Forschung und Höhere Bildung von Ensenada. Eingeladen war ich von Marco Pérez Flores, einem Geophysiker am CICESE, den ich an der RAUGM im letzten November kennen lernte. Die RAUGM ist die jährliche mexikanische Geophysik-Konferenz in Puerto Vallarte, an der ich für meinen ehemaligen Arbeitgeber GEOTEM teilnahm. Marco ist unter anderem auch damit beschäftigt CeMIEGeo aufzubauen, ein Innovationszentrum für Geothermie. Und es war vor allem in Bezug auf CeMIEGeo, dass er interessiert war an meiner Doktorarbeit. Ich persönlich bin sehr an Geothermie interessiert, daher war es eine klassische Win-Win Situation. Langer Rede kurzer Sinn: Wir packten die Gelegenheit beim Schopf, hängten noch das Wochenende und den Montag (ein Feiertag) an und verbrachten ein verlängertes Wochenende in Baja California. Donnerstag Hinreise, Freitag Arbeit, Samstag/Sonntag Vergnügen und Montag Rückreise.

Baja California ist wie schon erwähnt der nordwestlichste Bundesstaat Mexikos mit einer langen Grenze zu den USA. Die Hauptstadt ist Mexicali, die grösste Stadt ist jedoch die Grenzstadt Tijuana (Census 2010: 1.7 Mio. Einwohner). Wir flogen von Mexiko-Stadt nach Tijuana. Was dir zuerst ins Auge sticht beim Anflug nach Tijuana ist die grosse Grenzmauer zwischen Mexiko und den USA. 2014 waren Liliana und ich in Berlin beim 25-jährigen Jubiläum des Mauerfalls. Die Menschheit lernt anscheinend nicht dazu, gibt es heute doch mehr Grenzmauern auf der Welt als je zuvor. Karte mit Mexiko-Stadt und Ensenada Karte von Mexiko mit den 32 Bundesstaaten; Baja California ist rot umrandet. Tijuana liegt nördlich von Ensenada an der Grenze zu den USA. Auf der anderen Seite der Grenze folgt dann bald San Diego. Mexicali liegt ebenfalls an der Grenze zu den USA, aber weiter östlich. Die Halbinsel Niederkalifornien beherbergt die Bundesstaaten Baja California und Baja California Sur. Die Halbinsel hat etwa die gleichen Ausmasse wie die italienische Halbinsel (Apenninen-Halbinsel, umgangssprachlich auch Stiefel genannt). Niederkalifornien ist getrennt vom Festland durch die San-Andreas-Verwerfung, die ihr vielleicht von den Nachrichten von Erdbeben in San Francisco kennt. Durch diese Verwerfung ist das Gebiet ideal für Geothermie und mit Cerro Prieto hat Mexiko auch eines der weltweit grössten Geothermie-Kraftwerke, mit einer installierten Leistung von 720 MW.

Ein interessantes Detail am Rande: Baja California ist der einzige Bundesstaat Mexikos in der Zeitzone UTC-8, daher mit zwei Stunden Unterschied zu Mexiko-Stadt (Mexiko umfasst insgesamt vier Zeitzonen). Als wir da waren hatte Baja California jedoch schon Sommerzeit, Mexiko-Stadt noch nicht, daher war der Unterschied für uns nur eine Stunde.

Das CICESE ist in Ensenada beheimatet, rund 110 km südlich von Tijuana. Es wird gesagt Ensenada hat die grösste Dichte an Forschern in Lateinamerika. Neben dem CICESE und dem CeMIEGeo ist die Universität von Baja California präsent, die Nationale Universität UNAM und viele andere Universitäten und Forschungsinstitute haben Ableger da.

Blick vom CICESE-Hügel. Wir auf dem CICESE-Hügel. Blick auf den CICESE-Hügel. Die Aussicht vom CICESE aufs Meer (oben, leider hatte es einen Nebelschleier), und den Blick vom Strand auf den CICESE-Hügel. Die Aussicht von den Büros der Geophysikern aufs Meer ist beneidenswert.

Ensenada wurde von den spanischen Eroberern im 16. Jahrhundert gegründet und zählt heute rund eine halbe Million Einwohnern. Eine der grossen Industrien ist die Fischindustrie, so entstanden angeblich die Fisch-Tacos in Ensenada. Es hatte seine touristische Blüte in den 30er Jahren, als in Amerika die Prohibition verhängt wurden. US-Amerikaner reisten in den Süden für das Vergnügen und den Alkohol und überfluteten zuerst Tijuana, dann Rosarito und schliesslich auch Ensenada. In dieser Zeit genoss Ensenada sogar Hollywood-Glamour Status und anscheinend wurde der Longdrink Margarita in dieser Zeit in Ensenada kreiert (obwohl, es gibt viele verschiedene Geschichten um die Erfindung der Margarita). Noch heute ist der Tourismus eine der wichtigsten Industrien, docken doch mehrmals wöchentlich Kreuzfahrtschiffe hier an. Es ist aber auch ein beliebter Ort in dem sich US-Amerikaner und Kanadier zur Pensionierung niederlassen.

Das mediterrane Klima macht dieses Gebiet ideal für den Anbau von Trauben und Oliven, obwohl es immer der Gefahr andauernder Dürren ausgesetzt ist. Mexikanischer Wein ist zu einem grossen Teil verbunden mit dem Valle de Guadalupe, das ein Katzensprung nördlich von Ensenada liegt. Der Talboden hat eine geschätzte Fläche von 85 Quadratkilometern, topfeben und fast komplett bepflanzt mit Weinreben. Wir fogten diesem Ruf und dem Weg des Weines am Samstag und besuchten die Keltereien L.A. Cetto, Sol de Media Noche, Monte Xanic und El Cielo.

Der Weinbau in Mexiko hat eine interessante historische Komponente. Der Weinbau kam mit den Spaniern im 16. Jahrhundert und war durch das ideale Klima sehr erfolgreich. Es war jedoch so erfolgreich, dass die Weinexporte von Spanien nach Mexiko abnahmen. Und so verbot Karl II. schon 1699 den Weinbau in Mexiko, mit Ausnahme für kirchliche Zwecke, um den heimischen Markt zu schützen. (Die Geschichte ist mehr als 300 Jahre alt und doch irgendwie so aktuell.) Dieses Verbot wurde erst bei der Unabhängigkeit Mexikos aufgehoben. In den letzten Jahren stieg die Nachfrage nach mexikanischem Wein stark. Es hinkt jedoch anderen Gebieten immer noch nach, nicht zuletzt durch diese lange Prohibition.

Weintrauben von L.A. Cetto. Weinfässer von L.A. Cetto. Impression bei L.A. Cetto. Flaschen von L.A. Cetto. Posieren vor dem Firmenlogo. Eindrücke vom Valle de Guadalupe, hier im spezifischen von der Kelterei L.A. Cetto, die im frühen 20. Jahrhundert von einem Italiener gegründet wurde. Imposant sind die topfebenen Plantagen. Diese sind wesentlich einfacher zu bearbeiten als die Weinreben an den Schweizern Hängen.

Am Sonntag besuchten wir noch eine andere Touristenattraktion von Ensenada: La Bufadora. Zu englisch ein Blowhole, zu deutsch ein Blasloch. Es ist dies ein geologischer Begriff, den ich bis zu diesem Tage nicht kannte. Bei einem Blasloch handelt es sich um eine Höhle an der Küste die derartig geformt ist, dass die Brandung durch die Höhle drückt, umgeleitet wird und nach oben aus der Höhle in die Luft schiesst. Im Falle von La Bufadora in Ensenada bis zu 28 Meter hoch, was sie zu einem der weltweit grössten ihrer Art macht.

Wir erwischten nicht die idealsten Gezeiten, daher war es nicht ganz so gross. Das Meer und die Umgebung waren es aber so oder so wert! Aussicht auf den Pazifik bei *La Bufadora*. Aussicht auf den Pazifik bei *La Bufadora*. Aussicht auf den Pazifik bei *La Bufadora*. Eindrücke von der Aussicht auf den Pazifik bei La Bufadora, dem Blasloch.

Armando und Marianggy, ein mexikanischer Doktorand und eine venezolanische Masters Studentin am CICESE, boten uns am Freitag grosszügig an uns herumzuführen. Sie brachten uns also auf den Weg des Weines und zu La Bufadora und wir konnten ohne zu planen nur entspannen und ein perfektes Wochenende geniessen. Im Wendlandt Pub mit Armando und Marianggy. Zusammen mit Armando und Marianggy im Wendlandt Brewpub, dem Pub einer kleinen, unabhängigen Brauerei in Ensenada mit fantastischem Bier. (Baja California ist nicht nur das mexikanische Zentrum des Weines, sondern auch das Zentrum der kleinen, unabhängigen Bierbrauereien!) Armando und Marianggy, herzlichen Dank für eure Gastfreundschaft!