México

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Mami und Ruedi

Ein abwechslungsreicher Monat in Mexiko

14. Mai 2018

Vom 1. bis am 26. Februar besuchten uns meine Mutter Elsbeth und ihr Ehemann Ruedi. Sie verbrachten zweieinhalb abwechslungsreiche Wochen in Mexiko-Stadt, bevor wir alle zusammen noch für ein paar Tage in die Karibik flogen. Es war ein toller Monat, und wir hoffen er wird Mami und Ruedi lange in Erinnerung bleiben.

Mexiko-Stadt und Umgebung

Wir besuchten natürlich auch mit Mami und Ruedi das schöne historische Zentrum von Coyoacán, bestiegen den Torre Latino um die Aussicht über die Stadt zu geniessen, statteten den Schwiegereltern einen Besuch ab, und machten einen Abstecher an die Plaza Garibaldi, um ein wenig die Mariachis zu geniessen. Wir versuchten möglichst viele verschiedene Speisen der reichhaltigen mexikanischen Küche zu probieren (Mami und Ruedi versuchten sogar einige der scharfen Chilli-Saucen), und besuchten selbstverständlich auch die Strassenmärkte, die so genannten Tianguis.

"Los Mariachis" im Tenampa Wie schon mit Simon & Stephi sowie mit Steini & Franziska besuchten wir auch mit Mami & Ruedi die “Plaza Garibaldi”, ein Platz mit vielen Restaurants, viel Alkohol sowie vielen Mariachis und Trios (traditionelle Musiker-Gruppen). Hier das dadurch schon fast traditionell-obligatorische Bild der “Mariachis” im Tenampa, Plaza Garibaldi, Mexiko-Stadt.

Tlatelolco und Cuicuilco

Auf einem Tagesausflug besuchten wir den Platz der drei Kulturen, Tlatelolco, und anschliessend die Pyramide von Cuicuilco, beide liegen innerhalb von Mexiko-Stadt.

Der Name Platz der Drei Kulturen (Plaza de las Tres Culturas) deutet auf die drei Epochen seiner Gebäuden und Geschichten hin: Die erste Epoche, die präkolumbische, ist vertreten durch die Ruinen der Pyramiden von Tlatelolco, einem Ort der Mexicas und ein wichtiger Handelsplatz der Region, so auch für Tenochtitlán, der Hauptstadt der Azteken. 1521 fiel Tlatelolco dann unter spanische Herrschaft, was die zweite Epoche einläutet. Diese Epoche ist vertreten durch die katholische Kathedrale von Santiago im mexikanischen Kolonialstil. Diese Epoche endet mit der Unabhängigkeit Mexikos. Aus der dritten Epoche, der modernen, stehen moderne Hochhäuser (u. a. der Torre de Tlatelolco). Der Ort war Schauplatz einiger wichtiger Ereignisse. Unter anderem wurden da von den spanischen Eroberern unter Hernán Cortés wahrscheinlich gegen die 40‘000 Einheimische getötet. Knapp 450 Jahre später fand im Sog der 68er-Revolten ein weiteres Abschlachten statt: Beim Massaker von Tlatelolco wurden hunderte von Zivilisten, vor allem Studenten, von der Regierung getötet, nur zehn Tage vor den Olympischen Sommerspielen in Mexiko.

Cuicuilco liegt im Süden der Stadt, just ausserhalb des äusseren Autobahn-Ringes. Die Pyramide an und für sich ist nicht imposant, es ist heute mehr ein Hügel als etwas anderes. Aber die Geschichte dahinter ist eindrücklich. In Cuicuilco war eine der ältesten Kulturen im Tal von Mexiko angesiedelt, etwa zeitgleich mit den Olmecas im Osten (für die Olmecas siehe Comalcalco und Palenque). Die Blütezeit der Kultur war ungefähr von 700 B.C. bis 150 A.D., und hatte geschätzt bis zu 20‘000 Einwohner. Als der Vulkan Xitle im Süden vom Tal von Mexiko ausbrach gegen Ende des 3. Jahrhunderts wurde das Gebiet von mehreren Metern Lava zugedeckt. Es wird vermutet, dass sich viele Bewohner von Cuicuilco danach in Teotihuacán niederliessen; der Niedergang von Cuicuilco fällt mehr oder weniger zusammen mit dem Aufstieg von Teotihuacán.

Tlatelolco. Cuicuilco. Links der Platz der drei Kulturen, Tlatelolco, mit den Azteken-Ruinen im Vordergrund, in der Mitte die katholische Kirche der spanischen Eroberer und im Hintergrund die neuzeitlichen Wohnblöcke. Rechts Mami und Ruedi auf der Pyramide von Cuicuilco.

Verschiedene Tagesausflüge

Während Liliana und ich arbeiten mussten unternahmen Mami und Ruedi einige Ausflüge mit meinen Schwiegereltern. So besuchten sie zusammen die Pyramiden von Teotihuacán (mehr über Teotihuacán beschrieb ich in Steini & Franziska) und Chapultepec, den grossen Park im Zentrum der Stadt. Bei Chapultepec besuchten sie zudem den Mariposario, den Schmetterlingszoo. Unsere “vier Senioren” besuchten zusammen auch noch das historische Zentrum und das Parlamentsgebäude sowie den Templo Mayor, die Ruinen der Pyramiden von Tenochtitlán, der Hauptstadt der Azteken, auf denen Mexiko-Stadt erbaut wurde. Und nicht zuletzt kamen uns die vier bei der Arbeit am Mexikanischen Erdölinstitut IMP (Instituto Mexicano del Petróleo) besuchen, um zu sehen, wo ihre Kinder arbeiten. Eine gemütliche Bootsfahrt auf einer Trajinera bei Musik, Speis und Trank auf den Kanälen von Xochimilco durfte natürlich auch nicht fehlen (Xochimilco beschrieb ich detailliert in Simon & Stephi).

Xochimilco. Teotihuacán. Links Mami und Ruedi, meine Schwiegereltern, unsere Nichte Michelle, Liliana und ich auf einer Trajinera in Xochimilco. Rechts besuchen Mami und Ruedi zusammen mit den Schwiegereltern und Michelle die Pyramiden von Teotihuacán.

Mami und Ruedi waren aber nicht nur mit uns oder mit den Schwiegereltern unterwegs, sondern sie erkundeten die Stadt auch ein wenig auf eigene Faust. Einen ganzen Tag verbrachten sie im Turibus, der einen guten Teil der interessanten Orte der Stadt abfährt. Und mehrere Male erkundeten sie zu Fuss unser Quartier. Für Ruedi interessant waren natürlich die zahlreichen Baustellen, die es in der Gegend hat. Von unserem Balkon aus sehen wir unter anderem auf die Baustelle, wo der zurzeit höchste Wolkenkratzer von Mexiko-Stadt entsteht.

Verpflegung am Tianguis. Mami und Ruedi vor dem Monument der Niños Héroes. Triomino spielen. Am Kunsthandwerksmarkt. Ruedi's Lieblingsplatz. Im Schmetterlingszoo. Einige Eindrücke von Mexiko-Stadt: Verpflegung am Tianguis; Mami und Ruedi vor dem Denkmal der Niños Héroes; Mami und Ruedi mit und bei den Schwiegereltern am Triominos spielen; Ruedi und Liliana auf dem Kunsthandwerksmarkt; Ruedi an seinem Lieblingsort unserer Wohnung, dem Balkon; Mami, Ruedi und Schwiegereltern im Schmetterlingszoo.

Malinalco

Am zweiten Wochenende machten wir einen Ausflug ins magische Dorf Malinalco. (“Magisches Dorf”, bzw. “Pueblos Mágicos”, bezieht sich auf ein Programm von Tourismus Mexiko, das versucht kleine Juwelen von Mexiko national und international bekannt zu machen und den Tourismus zu fördern.) Malinalco ist nur ein paar Autostunden entfernt von Mexiko-Stadt, und daher gut zu erreichen für einen Ausflug am Wochenende.

Das Dorf liegt in einem Talkessel, an dessen westlicher Flanke die Mexicas im 15. Jahrhundert Tempel-Pyramiden errichteten. Diese waren bei der Ankunft der Spanier noch nicht fertiggestellt, und die Spanier brauchten Steine der Pyramiden nach der Eroberung zur Erstellung des katholischen Konvents. Das eigentlich spezielle an den Pyramiden von Malinalco ist die eine Pyramide, die nicht aus Stein gebaut wurde, sondern direkt in den Felsen gehauen wurde.

Mami und Ruedi bei der steinernen Pyramide. Convent von Malinalco. Man(n) mit Hut ist immer gut! Dorf Malinalco. Mami und Ruedi in Malinalco. Mami auf dem Markt. Unserer Herberge. Ein paar Eindrücke von Malinalco: Steinpyramide von Malinalco; Konvent von Malinalco; Touristen mit Hut; das Dorf von den Pyramiden her gesehen; Mami und Ruedi im Dorf; Mami auf dem Markt; und zuletzt unsere Unterkunft.

Erdbeben

Am Freitag, 16. Februar gingen wir für das Abendessen ins Café Tacuba im Stadtzentrum. Während dem Nachtessen wurde Mexiko von einem Erdbeben der Stärke 7.2 erschüttert. Das Beben war somit nur ein zwanzigstel so stark wie das schwere Erdbeben im September 2017, und auch viel weiter weg (das Epizentrum war an der Pazifikküste vom Bundesstaat Oaxaca), daher hielten sich die Schäden hier in Mexiko-Stadt in Grenzen. Aber die Bewohner von Mexiko-Stadt haben verständlicherweise riesigen Respekt vor Erdbeben, und es war sogleich Hektik in der Stadt. In der ersten Stunde gab es im Minutentakt Nachbeben, es wurde irgendwie nie richtig ruhig. Das stärkste der Nachbeben hatte immerhin noch eine Stärke von 5.2, was wiederum den Erdbeben-Alarm auslöste in Mexiko-Stadt. Daher mussten wir während dem Abendessen zweimal das Restaurant verlassen. Als wir nach Hause wollten war das pure Verkehrschaos in der Stadt, und es dauert über eine Stunde, bis wir alle ein Taxi fanden.

Karibik

Den letzten Teil der Ferien von Mami und Ruedi verbrachten wir in der Karibik. Wir, das waren Mami und Ruedi, die Schwiegereltern, Liliana und ich, flogen nach Cancún, wo wir mit einem Mietauto weiter fuhren Richtung Playa del Carmen zu unseren Hotels. In der Karibik gingen die Ereignisse dann weiter. Meine schlimmsten Befürchtungen wurden war - ausgerechnet mit den Schwiegereltern, Ruedi und Mami im Auto: Mein erster Autounfall, und das wahrscheinlichste, aber blödste Szenario, mit einem Taxifahrer. Das ganze passierte so schnell, dass keiner richtig weiss, wie es geschah. Ich fuhr langsam und wurde vom Taxi mit relativ hoher Geschwindigkeit abgeschossen. Die Kreuzung war sehr unübersichtlich, das Stopp-Schild fast nicht sichtbar, und auf der Strasse natürlich wie immer nichts markiert. Beide Autos mussten abgeschleppt werden. Der Nachteil: Taxifahrer. Der Polizist wie auch die Versicherungsleute kannten den Taxifahrer, somit waren wir von Anfang an auf verlorenem Posten. Der Polizist wollte nicht warten bis der Versicherungstyp kommt; entweder unterschreibe ich, dass ich Schuld sei, oder unser Auto sowie ich werden für 48 Stunden verwahrt. Was kannst du da schon machen. Immerhin wurde niemand verletzt, nicht einmal wirklich einen Schock trugen wir davon, und den Blechschaden konnten wir verkraften. Und nach dem Erdbeben war dies schon das zweite, nicht geplante “Erlebnis” in den Ferien von Mami und Ruedi.

Der Unfall änderte unseren Tagesplan, und so besuchten wir dann die Insel Cozumel an diesem Tag. Cozumel ist eine beliebte, kleine Ferieninsel vor der Küste von Playa del Carmen; die Fähre braucht etwa dreiviertel Stunden. Auf der Rückfahrt wurden Ruedi und Mami so seekrank, dass sie wahrscheinlich ein paar Kilogramm durch reines Schwitzen verloren, die waren richtig geschafft danach. Aber auch Liliana hatte zu kämpfen, das nächste Mal werden wir wahrscheinlich nach Cozumel fliegen müssen. (Zwei Tage später gab es eine Explosion auf ebendieser Fähre mit 20 Verletzten.)

Von der Welle überrascht. Mami, Ruedi und Schwiegereltern im Mietauto. Strand von Cancún. Playa del Carmen. Danza de los Voladores. Eindrücke von Cancún und Playa del Carmen: Beim Fotoshooting überraschte uns eine Welle; “unsere Kinder” im Mietauto; am windigen Strand von Cancún; Strandpromenade von Playa del Carmen; Darbietung der “Danza de los Voladores”.

Wir besuchten natürlich die Strandpromenade von Playa del Carmen und am letzten Tag auch noch die von Cancún. Vor dem Besuch der Pyramiden von Tulum sahen wir eine Darbietung der Danza de los Voladores, von dem ich oben eine Foto habe. Dieses mesoamerikanische traditionelle Ritual wäre einmal einen eigenen Beitrag wert.

Tulum

Während unserer Ferien in der Karibik besuchten wir unter anderem auch Tulum, rund 60 km südwestlich von Playa del Carmen. Die Schönheit von Tulum mit den zum Teil noch gut erhaltenen Gebäuden verdankt es der speziellen Lagen: Die Maya-Ruinen liegen direkt an der türkisblauen Karibik. Der Ort war der Haupthafen für die grosse Maya-Stadt Cobá (mehr dazu schrieb ich im Bericht über Cobá). Tulum war eine der am letzten errichteten Städte der Mayas. Ihre Blütezeit war zwischen dem 13. und dem 15. Jahrhundert, und die Stadt existierte rund 70 Jahre weiter nach der Eroberung von Mexiko durch Spanien. Der Hauptgrund für ihren Untergang waren die hohen Sterberaten, hervorgerufen durch die eingeschleppten Krankheiten der Spanier.

Tulum war eine eigentliche Handelsstadt, in der Land- und Meeresrouten zusammenfanden und Handel betrieben wurde sowohl mit Zentralmexiko als auch mit ganz Mittelamerika. Einer der wichtigsten Güter von Tulum war Obsidian.

El Castillo, Tulum. Die Reisegruppe. Tulum, Eindrücke. Strand bei Tulum. Templo Dios del Viento, Tulum. Ruinen, Tulum Ein paar Eindrücke der Ruinen von Tulum und dem Strand bei den Ruinen.

Auf dem Heimweg von Tulum verfuhren wir uns nach dem Besuch einer Karsthöhle noch im Dschungel. Obwohl nur etwa 1 km von der Autobahn entfernt, waren wir mehr oder weniger verloren (immerhin mit GPS). Aber ich kam arg ins Schwitzen. Die Strasse war horrend, und es begann langsam dunkel zu werden. Mami und Ruedi machten Witze hinten im Auto, und ich schwitzte vorne heimlich Blut. Wenn ich hier in einem Schlagloch gelandet wäre, so wäre das doch sehr ungemütlich geworden. Aber wir schafften es zum Glück hinaus.

Chichén Itzá

Ein zweiter Ausflug in der Karibik führte uns nach Chichén Itzá im heutigen Bundesstaat Yucatán, eine der grössten archäologischen Maya-Stätten und ein UNESCO-Weltkulturerbe seit 1988. Nach Teotihuacán ist Chichén Itzá die meistbesuchte archäologische Stätte in Mexiko. Die Stadt wurde im Jahre 252 gegründet, ihre Blütezeit hatte sie vom 8. bis zum 11. Jahrhundert mit überregionalem Einfluss. Chichén Itzá imponiert durch El Castillo, die restaurierte Hauptpyramide, sowie durch die Grösse und Weitläufigkeit der Anlage mit den unzähligen Pyramiden und Gebäuden.

El Castillo, Chichén Itzá. Columnata, Chichén Itzá. Die Reisegruppe. Wandverzierungen. Souvenir-Verkäufer. El Caracol, Chichén Itzá. Osario, Chichén Itzá. Ein paar Eindrücke der Ruinen von Chichén Itzá mit seinen zahlreichen Ruinen. El Castillo ist die Pyramide im ersten Foto.

Auf dem Heimweg machten wir Halt in Valladolid, wo wir uns an einem Buffet mit Yukatekischer Küche verköstigten.

Karte

Hier noch der Überblick der besuchten Orte:

Karte Reisen Mami. Die Reisen mit Mami und Ruedi: Malinalco im Bundesstaat Mexiko, Tulum und Cancún im Bundesstaat Quintana Roo, und Chichén Itzá im Bundesstaat Yucatán. Playa del Carmen, wo wir unser Hotel hatten, ist auf halbem Weg zwischen Cancún und Tulum.

Mami und Ruedi, herzlichen Dank für euren Besuch! Wir hatten den Plausch und hoffen, ihr habt es auch in vollen Zügen genossen.

Mami und Ruedi in Malinalco. Mami und Ruedi bei den Pyramiden von Malinalco.