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Cobá

In den Ruinen von einer der grössten Städte der Mayas zu ihrer Blütezeit

30. September 2016

Liliana verbrachte die erste komplette Septemberwoche geschäftliche in Cancún, dieser mexikanischen Touristenhochburg in der Karibik, an einer Konferenz. Wir packten die Chance beim Schopf und so flog ich am Freitag nach der Arbeit auch hin für das Wochenende.

Cancún liegt im südöstlichsten Bundesstaat von Mexiko, in Quintana Roo. Quintana Roo wurde am 8. Oktober 1974 gegründet und ist damit, zusammen mit Baja California Sur, der jüngste Bundesstaat von Mexiko. Der Bundesstaat ist benannt nach Andrés Quintana Roo (1787–1851), einer der Unterzeichner der Mexikanischen Unabhängigkeitserklärung. In Quintana Roo tickt die Uhr seit gut 1.5 Jahren um eine Stunde vorverschoben im Vergleich zu Mexiko-Stadt (UTC-5), ein Wechsel der vor allem von der Tourismusbranche gefördert wurde. Im Süden grenzt Quintana Roo an Belize und ganz wenig (allerdings umstritten) auch an Guatemala. Das Gebiet ist vor allem für seine karibischen Strände bekannt, neben Cancún sind das auch bekannte Ferienziele wie Playa del Carmen, Cozumel oder Isla Mujeres, und häufig wird der ganze Küstenstreifen unter Riviera Maya zusammengefasst.

Unser Reiseziel waren diesmal aber nicht die türkisblauen Sandstrände, sondern eine versteckte Perle im Tropenwald: Die Ruinenstadt Cobá. Karte mit Mexiko-Stadt und Cobá Karte mit dem Bundesstaat Quintana Roo (rot umrandet). Markiert sind zudem Mexiko-Stadt und die Maya-Ruinenstadt Cobá. Cancún liegt im nordöstlichsten Zipfel von Quintana Roo.

Cobá ist neben Tulum wahrscheinlich die wichtigste Ruinenstadt der Mayas in Quintana Roo, aber es hat noch zahlreiche andere, zum Beispiel Xcaret und Xel Há, um nur zwei zu nennen. Geografisch liegt Cobá etwas über 40 km landeinwärts von Tulum her. Die Blütezeit dieser Stadt war in der klassischen Mayaperiode zwischen 600 und 900 A.D. Während dieser Zeit war Cobá mit geschätzte 50‘000 Einwohner (oder sogar einiges mehr) eine der grösseten Mayastädte auf der Halbinsel Yucatán. Erstmals besiedelt war Cobá zwischen 50 B.C. und 100 A.D. Eindrücke Cobá 1. Eindrücke Cobá 2. Eindrücke Cobá 3. Eindrücke Cobá 4. Eindrücke Cobá 5. Ein paar Eindrücke von Cobá. Ausgegraben sind die wichtigsten Gebäude, der Grossteil von Cobá ist aber unter dem Dschungel versteckt. Die ganze Stadt ist sehr weitläufig.

Die Maya und mit ihnen Cobá waren ein Teil von Mesoamerika, das geografisch grob die südliche Hälfte Mexikos, Honduras, Belize, El Salvador, Guatemala, Nicaragua und Costa Rica umfasste. Etwa zwei Dutzend Hochkulturen besiedelten dieses Gebiet, die bekanntesten darunter waren die Azteken (erwähnt in Steini und Franziska), die Mayas und die Olmeken (beide erwähnt in Comalcalco und Palenque) sowie die Zapoteken (erwähnt in Oaxaca). Noch heute ist die Sprache der Maya mit rund 3/4 Millionen die zweithäufigste gesprochene Ursprache nach Náhuatl, der Sprache der Azteken (siehe dazu den Artikel über die Sprachenvielfalt von Mexiko).

Ballspiel-Stätte. Tor des Ballspieles. Die obligatorischen Installationen des Ballspiels, genannt “pitz” in der klassischen Mayasprache und “ōllamaliztli” im modernen Náhuatl, das man in eigentlich fast allen Maya-, Azteken- und Olmekenruinen antrifft und generell in Mesoamerika. Das Ballspiel hatte wichtige rituelle Funktionen. Der Ball wird dabei mit der Hüfte gespielt.

Das Spezielle an dieser Stadt sind gemauerte und zum Teil deutlich erhöhte Wege, so genannte Sacbeab. Der längste dieser Wege führt rund 100 km nach Westen bis Yaxuná, etwas südlich von Chichén Itzá. Ich denke die Bedeutung dieser Wege sind in etwa wie die alten Römerstrassen. Sehen kann man diese allerdings nicht wirklich gut, da sie grössenteils überwachsen sind. Aufgrund von verblüffenden Ähnlichkeiten gehen Archäologen davon aus, dass es einen regen Austausch gab zwischen Teotihuacán, der bedeutenden Ruinenstadt etwas nördlich von Mexiko-Stadt, und Cobá.

Der Untergang von Cobá geschah noch bevor die Spanier ankamen. Vermutlich wurde das Ende durch einen Machtkampf um die wirtschaftliche und religiöse Vormachtstellung mit der nahe gelegenen Grossstadt Chichén Itzá eingeläutet. Als die Spanier um etwa 1550 hier ankamen war die Stadt bereits verlassen; die neusten Gebäude datieren auf 1200-1500 A.D. Ausblich von Nohoch Mul auf den Tropenwald. Frontansicht von Nohoch Mul. Liliana und ich auf der Nohoch Mul Pyramide. Die grösste Pyramide in Cobá, Nohoch Mul, ist zwar nur 42 Meter hoch. Da die Umgebung aber vollständig flach ist bietet sie eine atemberaubende Aussicht auf den Tropenwald. Der weisse Punkt etwa in der Mitte des Bildes ist eine weitere, kleinere Pyramide.

Irgendwie fühlt man sich immer ein wenig wie Indiana Jones wenn man alte Ruinen im Dschungel besucht… Speziell hier in Cobá, da dieser Ort viel weniger touristisch ist als vergleichbare grosse Orte wie Palenque, Chichén Itzá oder Teotihuacán, da vieles hier noch im Dschungel vergraben ist und es daher noch mehr abenteuerliches und mystisches in der Atmosphäre hat.

In den Tropen liegend befinden sich die durchschnittlichen Höchsttemperaturen in Cobá bei 27-32 °C und die durchschnittlichen Tiefsttemperaturen bei 14-22 °C, der durchschnittliche Niederschlag beträgt 38-196 mm. Die Natur überrascht einem immer wieder aufs Neue an solch einem fruchtbaren Ort: Pilze umgarnen einen Baum. Wurzern, die von den Ästen gegen die Erde wachsen. Wespennest. Rot blütende Pflanze, die auf Bäumen wächst. Fledermaus. Gelbe Heuschrecke. Echse. Die Natur in dieser Gegend verblüfft einem immer wieder. Besonders eindrücklich fand ich die Bäume, die von den Ästen herab Wurzeln wachsen lassen bis sie den Boden erreichen, und dann wie zusätzliche Stämme verholzen (Mitte oben).

Übernachten taten wir in einem Bed & Breakfast in Playa del Carmen, einen Katzensprung vom Strand entfernt. So hatten wir genügend Zeit um nach dem Besuch der Ruinen auch noch im Meer zu planschen. Auf dem Weg zurück zum Flughafen machten wir noch einen Abstecher an die Sandstrände von Cancún, womit ich nun auch diesen Bericht abschliesse: Karibik! (Cancún) Obwohl das Hauptziel Cobá war liessen wir uns ein Bad in der Karibik natürlich nicht nehmen. Dieses Foto zeigt die Küste in Cancún, die wir auf dem geplanten Umweg von der Unterkunft zum Flughafen besuchten.

Die wunderschönen Fotos verdankt ihr wie immer grösstenteils Liliana!